30-Jahrfeier

Saziye Arslan
Hilde Gersbeck
Antje Füchtener
Čestmir Janošek

Einführung in die Kunstausstellung 30 Jahrfeier Nephrologische Gemeinschaftspraxis und KfH-Nierenzentrum Ehrenfeld

von Dr. Michael Böttcher-Entenmann

Liebe Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung, sehr verehrte Anwesende,

Die Mitorganisation eines solchen Jubiläums führt unweigerlich dazu, dass man sich darüber Gedanken macht, durch was sich diese Praxis, dieses Nierenzentrum in Köln-Ehrenfeld im Besonderen auszeichnet. Wenn man die Festschrift aufmerksam liest, fallen einen bestimmte Dinge auf, die von den Schreibenden immer wieder hervorgehoben werden. Viel Raum findet hier das vertrauensvolle Miteinander von Ärzten, Pflegepersonal und Patienten. Neben dem Vertrauen fällt mir in den Gesprächen immer wieder auch die aktive Auseinandersetzung mit künstlerischen Ausdruckformen auf. Die in den Fluren und Zimmern hängenden Originale laden auch geradezu zu Stellungnahmen ein. Nicht immer bringen die Einzelnen die gleichen Sympathien für die Arbeiten mit, das vertrauensvolle Miteinander lässt es aber zu, sich über unterschiedliche Ansichten offen auszutauschen. Nicht zuletzt auch, weil einige der Angestellten und Patienten selbst in unterschiedlicher Art und Weise künstlerisch aktiv sind. 
Vom Vertrauen zu dieser Einrichtung und von der Offenheit gegenüber der Kunst zeugt auch diese Ausstellung.  Es sind nicht irgendwelche Werke die hier gezeigt werden, sondern Arbeiten, die von Künstlerinnen und Künstlern stammen, die dem Zentrum persönlich verbunden sind. Und so unterschiedlich das Zusammentreffen der Menschen hier ist, so verschieden sind auch die künstlerischen Positionen.
Die Arbeiten von Saziye Arslan kommen ganz aus den alltäglichen Dingen, aus der Nähe zum Menschen und deren kulturellen Hintergründen. Feines Gespür zeigt Saziye Arslan dabei für die Strukturen des Arbeitsuntergrundes, teils arbeitet sie mit Mokkasatz aus ihrem Heimatland. Der aufgetragene und teils verlaufende Kaffeesatz lädt den Betrachtenden ein, genauer zu beobachten und nachzuspüren, welche Formen und Symbole entstehen. Die Bilder laden damit über die rein darstellende Ebene hinaus dazu ein, individuelle Interpretationen zuzulassen. Nicht immer müssen alle das Gleiche in einem Bild sehen.
Der Anreiz zur Entstehung einer Bildvorstellung bei Hilde Gersbeck liegt in den Erscheinungen aus dem Umfeld. Es sind Momentaufnahmen, die gegenständlich sind, aber auch Farbspiele, die eine Landschaft beschreiben, Strukturen oder figurative Ausdrucksformen von menschlichen Silhouetten. Es entsteht eine ganze Welt der Malerei, deren Motive Gesehenes und Empfundenes oder zwischenmenschliche Begegnungen aufgreifen, wie beispielsweise die dreiteilige Arbeit zur Kommunikation, die in energiereichen Farbkontrasten und Strukturen ausgedrückt wird. 
An zufällig Gesehenes und Erlebtes knüpfen auch die Bilder von Antje Füchtener an. Städtebilder, die sich phantasievoll und spielerisch mit den sichtbaren Dingen der Welt auseinandersetzen. In collageartigen Erinnerungen lassen sich Textbotschaften finden, kleine Denkwürdigkeiten, die mit den Orten mitschwingen und den Betrachtenden humorvoll zuzwinkern. „Ich habe gelernt, durch die Mauer zu blicken“ heißt es dort etwa beim Anblick von Berliner Mauerresten. Ebenso wie bei Hilde Gersbeck lassen die kräftigen Farben von Antje Füchtener erahnen, aus was für einer Energie heraus die  Malerin künstlerisch arbeitet.
Durch das Forschen nach natürlichen Ausdrucksformen bei höchster malerischer und struktureller Qualität zeichnen sich die hier gezeigten Werke des Malers Cestmir Janosek aus. Die seit den 70er Jahren entstehenden Arbeiten zum Licht sind ein wesentlicher Moment seiner jahrelangen künstlerischen Tätigkeit, die an der Prager Werkschule in den 50 Jahren begann. In den Arbeiten zeigen sich schöpferische Kräfte, geistige Hoffnung, mystischer und übersinnlicher Schein. Sie heben den Betrachtenden über die Dinge und lassen ihn das alltägliche Treiben von einem höheren Standort aus beobachten.
In der Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit der künstlerischen Arbeiten spiegelt sich das Miteinander des alltäglichen Zentrumsgeschehens wider. Das macht die Ausstellung besonders. Das, was wir hier sehen und hören –hier schließe ich das Klarinettenquartett mit ein – ist ein Teil des Alltagslebens des Zentrums auf der künstlerischen Ebene dargestellt. Insofern ist es eine sehr wohltuende Atmosphäre, die sich auch in den schriftlichen Beiträgen der Festschrift äußert.